
Nintendo´s Gameboy bekam im Jahr 1992 einen leider erfolglosen Konkurrenten aus dem Hause Watara, den Supervision. Die Spiele für den Supervision waren beinahe alle Low-Budget und Klone erfolgreicher Spiele. Im Jahr 2019 kam ein Homebrew-Spiel für den Supervision heraus, das erstmals aufzeigt, wie erfolgreich der Handheld mit dem großen Bildschirm wirklich hätte werden können, wenn man alles aus ihm an Leistung herausgeholt hätte. Ich habe ein paar Runden Assembloids auf dem Supervision gezockt!
Fakten
Entwickler/Herausgeber: PriorArt, poly.play
Plattformen: PC Flash, Atari 2600, C64, Atari 800 XE, Atari ST, MSX, Roku, Atari Lynx, Watara Supervision
Veröffentlichung: 15.12.2019
Genre: Action/Puzzle
Spieleranzahl: 1
Assembloids aus dem Hause PriorArt & poly.play, mit einem Watara Supervision
Entwicklung
Das Konzept zu Assembloids basiert auf einem Spiel namens Quartet, das im Jahre 2010 erschienen ist. Programmiert wurde Assembloids von Dr. Martin Wendt, welcher als Astrophysiker an der Universität Potsdam arbeitet. Martin Wendt, auch bekannt unter seinem Nickname Enthusi, wirkt seit den 2000er Jahren an verschiedenen Spielprojekten für den Commodore 64 mit und war dabei unter anderem Programmierer, technischer Support oder Tester. Als Herzenprojekt wirkte er an der Umsetzung aller Versionen von Assembloids mit und hat es in der Assembly-Programmiersprache geschrieben. Oliver Lindau alias v3to ist ein erfahrener Grafiker und bereits seit Anfang der 90er Jahre dabei, wo er viele Cover Artworks zu Spieltiteln für den Atari ST, den C64, MS DOS und den Amiga beigetragen hat. Er war unter anderem der Grafiker für The Second World, Rolling Ronny und Stone Age. Die Musik und die Soundeffekte stammen aus der Feder von Kamil Wolnikowski alias Jammer, der seit den 2000er Jahren an verschiedenen Projekten mit seiner Musik und seinen Sounds mitgewirkt hat. Die Musik der Supervision-Version läuft über drei Kanäle mit zusätzlichen Soundeffekten. Als Dreiergespann haben sie gemeinsam Assembloids entwickelt, das später auf einem 64kb-Spielmodul veröffentlicht wurde. Seit dem 25. März 2024 steht die Supervision-Version als freier Download zur Verfügung.
poly.play ist der Vertreiber der Supervision- und Lynx-Versionen von Assembloids, gegründet im Jahr 2015 und geleitet von Sebastian Bach, mit Sitz in Weimar, Deutschland. Zunächst gab es eine Limited Edition von Assembloids für den Supervision, die limitiert auf 60 Exemplare war, bis später eine Standardausgabe erschien. Für die Hardware des Spielmoduls waren Madtronix zuständig. Das Cover Artwork hat Ralph Neese gestaltet und die Gestaltung der Verpackung hat Sebastian Bach übernommen.
Geschichte & Spielmechanik
Um sich in Assembloids hineinversetzen zu können, stellt man sich am besten vor, in einer Produktionsfabrik für Halloweenmasken zu arbeiten. Wie in jedem Puzzlespiel ist es auch bei Assembloids das Ziel, die höchstmögliche Punktzahl zu erreichen. Im mittleren Fenster des Bildschirms erscheint der Teil eines Gesichtes, das man dann in eines der vier umliegenden Fenster verschieben kann. Dabei gilt zu beachten, dass ein Gesicht aus vier Teilen besteht und es möglichst gelingen sollte, ein "Full Face" zu bekommen, um die meisten Punkte zu erhalten. Ein Full Face bekommt man, wenn man vier gleiche Teile eines Gesichts kombiniert, beispielsweise ein Schwein oder einen Adler. Man kann grundsätzlich aber aus allen Teilen Gesichter machen, um Punkte zu ergattern. Gelingt ein Full Face, erklingt das Geräusch des Tieres, das gezeigt wird. Es kostet ein Leben, wenn man einen "Bad Move" ausführt; liegt beispielsweise im Fenster auf dem oberen Feld rechts bereits ein Teil, und man zieht ein Teil an diese Stelle, gilt das als Bad Move und man verliert ein Leben. Nehmen wir an, es ist der Teil eines Gesichtes mit dem linken Auge, so darf man kein weiteres Teil mehr mit einem linken Auge aus der Mitte nach oben schieben, weil dort bereits ein Teil liegt. Dann muss man das entsprechende Teil in ein freies Feld der verbleibenden drei Fenster schieben. Das Spiel ist so aufgebaut, dass man stets weiterspielen kann und nicht in eine Sackgasse geführt wird. Das ist sehr fair, denn so wird man nicht dazu gezwungen, ein Leben abgeben zu müssen. Selbst wenn zum Beispiel in drei der Fenster bereits ein Teil mit einer "linken Mundhälfte" liegt und im Mittelfenster erscheint ein Teil mit einer solchen linken Mundhälfte, so ist mindestens das vierte Fenster frei, um das Teil dorthin zu schieben. Es liegt dann am schnellen Reaktionsvermögen des Spielers, das Teil rechtzeitig zu verschieben.
Es gibt vier verschiedene Schwierigkeitsgrade, wobei der einzige Unterschied darin besteht, dass man auf einem niedrigen Schwierigkeitsgrad mehr Zeit hat, die Gesichter zu kombinieren, als auf einem schweren. Auch wenn man mit dem leichtesten Schwierigkeitsgrad beginnt, läuft die Zeit fortwährend schneller ab, je länge das laufende Spiel andauert. Man hat fünf Leben zur Verfügung, die auch dann verloren gehen können, wenn die Zeit zum Verschieben abläuft. Geht ein Leben verloren, wird das Spiel für eine gewisse Zeit wieder etwas langsamer, nimmt aber wieder an Fahrt auf, je schneller man vorankommt. Es ist möglich, den Bildschirm zu "clearen", also zu leeren, dann gibt es 500 Punkte und ein Extraleben!
Mit frischen Batterien und den Sound auf volle Laustärke gedreht, lassen sich die Titelmusik und der Puzzletrack ganz besonders genießen und der Bass kommt perfekt zur Geltung. Der Watara Supervision verfügt nicht über einen bunten Farbbildschirm und ist demnach am Gameboy angelehnt, und dennoch ist die Grafik so detailreich wie möglich und man lernt die einzelnen Teile der Gesichter schnell kennen, um später viele Full Faces zusammenzusetzen.
Mit dem Steuerkreuz schiebt man die Teile in die jeweiligen Fenster. Mit der A-Taste lässt sich bei Bedarf die Musik ausschalten, wobei die Soundeffekte aber bleiben. Mit der Reset-Taste kehrt man zum Titelbildschirm zurück und mit Select lässt sich das laufende Spiel neu starten. Bei Spielende erscheint ein Code, den man über supervision@assembloids.de einreichen kann, wenn man eine besonders hohe Punktzahl erreicht hat.
Gordman´s Meinung
Wenn man sich schon immer einmal wie Victor Frankenstein fühlen wollte, macht Assembloids jede Menge Spaß! Ich konnte während meines Spiels auf dem Watara Supervision keine Bugs entdecken und kann nur Positives über dieses geniale Puzzlespiel sagen. Die Titelmusik kann man auch gern mal etwas laufen lassen, um zu genießen, was der damals erfolglose Watara Supervision wirklich alles drauf hat. Das zweite Musikstück, das während des Spiels läuft, bleibt im Ohr und sorgt dafür, dass der Spieler stets angespannt bei der Sache bleibt. Das gefällt mir richtig gut! Die Grafik ist ebenso klasse und auch die Programmierung ist perfekt. Wenn man sein Reaktionsvermögen trainieren will, ist das Spiel ebenso ideal dafür geeignet. Die Verpackung mit dem Cover, die Anleitung und das Spielmodul sehen erstklassig aus. Wenn Assembloids im Regal steht, bekommt ein Besitzer ganz sicher von seinen Besuchern gefragt: "Was ist denn das Schönes?" Ich kann mir gut vorstellen, dass die farbigen Versionen, wie die Atari Lynx-Version, sicher auch sehr viel Spaß machen. Es ist schade, dass es heute kaum noch Supervisions zu finden gibt. Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal jemanden, der auch Ersatzteile für ihn anbieten kann. Ich gratuliere dem dreiköpfigen Entwicklerteam zu diesem gelungenen Spiel, das zeigt, dass der Supervision von Watara seinerzeit durchaus mit Nintendo´s Gameboy hätte mithalten können, wenn man beim Watara nicht auf Low-Budget-Spiele und Klone bekannter Titel gesetzt hätte. Es gibt nur wenige, gute Spiele für den Supervision, doch mit Assembloids kann man seine Watara-Sammlung nur aufwerten. Assembloids ist ein gelungener Action-Puzzler!
Erhältlichkeit
Assembloids gibt es im Shop von poly.play (Supervision und Lynx-Versionen), solange das Spiel dort angeboten wird.
Links
- Website von PriorArt Games: priorartgames.eu
- Assembloids im Shop von PolyPlay: Assembloids
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